Banner
Einleitung
Tour d'horizon

Momentaufnahme
Die Fans
Schlußtakt
Überblick
Sinnbastelei
T-Shirt-Identität

Das Buch
Der Verlag
Die EKW

Unter der Hand der organisierten Fans werden miteinander unvereinbare Geschmacksvorlieben verknüpft. Rock'n'Roll - die Musik zur Revolte gegen das Establishment - wird problemlos in die persönlichen Biographien neben dem konservativen Gedankengut des Schlagers eingebunden.

Nicht die Frage nach der Genrezugehörigkeit oder der Qualität wird gestellt, sondern nach der persönlichen Verwertbarkeit. Nach den Mustern des aktiven Konsums gebrauchen sie Produkte, die ihnen der Erlebnismarkt bietet, ungeachtet der mitunter disparaten Bedeutungen, mit denen diese Erlebnisangebote aufgeladen sind.

Während der Individualisierungsprozeß den einzelnen seiner tradierten kollektiven Muster der Sinndeutung beraubt hat, brechen unterschiedliche Zeichengruppen, in denen die Angebote gebündelt und strukturiert sind, auseinander. Die alltägliche Lebenswelt des modernen Menschen wird kompartmentalisiert in nicht mehr sinnhaft zusammenhängende Teilorientierungen, in Enklaven und Sinnprovinzen.

Den Gewinn, den die Freisetzung aus den bisher geltenden Lebenszusammenhängen (neben Verlusten auch) bringt, nutzen die Individuen, um sich in einer Art kulturellem Supermarkt mit den für sie momentan brauchbaren Weltdeutungsangeboten jeglicher Art zu bedienen.

Das Engagement in einem Fanclub des volkstümlichen Schlagers stellt für etliche Fans einen biographischen Ausreißer dar. Sie stellen sich mit ihrem Hobby häufig außerhalb der Interessen ihres Bekanntenkreises und können (wenn ein solcher Freundeskreis als unabhängiges System betrachtet wird) nicht auf die dort gültigen Weltdeutungsmuster zurückgreifen. Sie gehen mit dieser Sonderstellung unterschiedlich um: Sie verschweigen ihr fandom, sie ziehen sich aus ihrem bis dahin aktuellen Freundeskreis zurück oder trennen strikt zwischen der Freizeit im Fanclub und ihren restlichen Lebenszusammenhängen.

Damit wird das fandom zu einem eigenständigen Teil des Alltags.

Durch diesen Trend zum Eklektizismus wechselt der einzelne sehr leicht zwischen unterschiedlichen Rollen. So leicht, wie ein geweschselt wird.

 

"Die symbolischen Gehäuse, die dem Menschen Zuflucht und Geborgenheit bieten, zerbröckeln", schreibt Ronald Hitzler.
  top  |   02.02.1999 E-Mail | Home | ?
Banner
© Ralf Grabowski