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Wie die Beispiele aus dem Bereich Folk gezeigt haben, sind nicht grundsätzlich alle Texte, in denen es um die Liebe zur Heimat geht, gleichzusetzen mit konservativem Gedankengut. Auch linke Liedermacher nutzen die Motive der "Heimat" (freilich in einem anderen ästhetischen Gewand) und die deutsche Sprache. Ihr Tun wird ihnen eher "als heroischer Widerstand gegen Kulturimperialismus denn als verstockt-reakionärer Rückfall verbucht". Trotzdem: Die häufige meist unterschwellige Kritik unterstellt den pausbackigen, trachtengewandeten Zuschauern volkstümlicher Unterhaltung die rechte Gesinnung. Doch hartgesottene Neonazis lachen sich über solch friedlich geträllerten Schunkellieder halb kaputt. Sie stehen auf die in angelsächsischer Verpackung daherkommende Oi-Musik. Claus Leggewie führt die Renaissance volkstümlicher oder in Dialekt gesungener Lieder denn auch auf eine generelle Tendenz der Ethnisierung in der verwechselbar gewordenen universalistischen Musikkultur zurück. Denn die Standards der massenkulturell produzierten Musik seien internationalisiert worden und gehorchten denselben Regeln. Diese Standardisierung habe die Konsumenten auf Dauer ermüdet, so daß "die Produzenten nach neuen, notwendig lokal inspirierten Quellen der Repertoire-Auffrischung" suchten. Diese Produktion eines Scheins der Unverwechselbarkeit vollzog sich auf nationalem Terrain (bei der volkstümlichen Welle, aber auch bei Pop-Mundartgruppen wie BAP oder den aus Ochsenhausen stammenden Pomm Fritz) und auf internationalem. Freilich: Instrumentalisieren lassen sich alle Arten dieser regionalistischen Musik, sowohl die deutsch-bierselige der volkstümlichen und deutsch-rassistische der "doitschen" Art, als auch der hard-core-Rap aus der Bronx. Erst dann, so Leggewie, wenn die Volksmusik "Begleitfanfare zum ethischen Bürgerkrieg (wird), egal ob sie aus dem 'eisigen' Compton, L. A., herüberscracht oder mit Tubas aus dem gemütlichen Hinterwald einmarschiert", erst dann hat sie ihre Unschuld verloren.
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Claus Leggewie ist Professor für Politikwissenschaft an der Uni Gießen und war 1995-1998 Inhaber des neu geschaffenen Max-Weber-Lehrstuhls am Center of European Studies der New York University. |
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| © Ralf Grabowski |