Banner
Einleitung
Tour d'horizon

Momentaufnahme
Überblick
Medien
Heimat
Überblick
Begriffsgeschichte
im Schlager
im Folk
Abgrenzung
rechts?
Die Fans
Schlußtakt

Das Buch
Der Verlag
Die EKW

Während in den Schlagern der 50er und 60er Jahre die Heimat eher im Norden Deutschlands und auf See lokalisiert wird, verlegt die Blasmusik und 20 Jahre später der neue volkstümliche Schlager sie in die europäischen Mittelgebirge oder ins alpine Gelände.

Hermann Bausinger (emeritierter Professor für Empirische Kulturwissenschaft / Volkskunde in Tübingen) spricht in diesem Zusammenhang von Binnenexotik: Das Exotische und das Heimatliche vereinigen sich, indem das Exotische in die Nähe rückt und das Heimatliche "nicht mehr auf den eigentlichen Heimatraum beschränkt ist."

Im Gegensatz zum Folk- oder Protestsong ist der im Schlager verwendete Heimatbezug gerade nicht geographisch-örtlich gebunden, sondern knüpft ans bürgerlich-idealisierte, idyllische Heimatbild, das sich in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts in Deutschland herauszubilden beginnt, an.

Exemplarisch läßt sich am Lied "Das stille Tal" (Im schönsten Wiesengrunde...), 1851 von Wilhelm Ganzhorn geschrieben, die Genese des Heimatbegriffs nachzeichnen. In den ersten Zeilen schwingt noch die alte Bedeutung - Heimat als Besitz, als väterlicher Hof - wieder. Der Text weitet sich dann und schließt in die Heimatvorstellung Landschaft, Tal, Bächlein, Vögel und vor allem die romantischen Gefühle ein: Heimat als überhöhtes und verklärtes Idyll.

Bausinger schreibt: "Gerade diese Allgemeinheit der Bilder, die Neutralisierung von Heimat zu einer abgezogenen Vorstellung, die alle widerspenstigen und individuellen Realitätsmomente abgestreift hat - gerade sie gab diesem Heimatbegriff jene Flexibilität und Schmiegsamkeit, mit denen er bis in die Gegenwart überdauern konnte."

Heimat ist in diesem Zusammenhang die bürgerliche Utopie, die "Besänftigungslandschaft". Heimat sind "klischierte romantische Naturbilder, überhöht von religiösen Gefühlen."

Diese Heimat paßt überall. Sie ist nicht mehr Gegenwart, sondern Vergangenheit, nicht mehr Alltag, sondern Kulisse und Sonntagsbild. Sie bildet häufig den Inhalt volkstümlicher Musik und die Klammer, welche die Orte, an denen volkstümliche Musik stattfindet, zusammenhält und ihnen ihr ganz spezifisches Gepräge gibt. Das Motiv der meist verlorenen Heimat kennzeichnet volkstümliche Musik; ist aber auch in den Texten alter, traditioneller Volkslieder zu finden, im Folk und in den progressiven Strömungen der Neuen oder Authentischen Volksmusik.

Lesen Sie, wie sich der Schlager des Heimat-Begriffs bemächtigt hat.

 

 
  top  |   02.02.1999 E-Mail | Home | ?
Banner
© Ralf Grabowski