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Wo hört der Deutsche Schlager auf, wo beginnt der volkstümliche Schlager?

Aus der volkskundlichen Volksmusikforschung sind unterschiedliche Definitionen bekannt, die einmal bei den Trägern der Volksmusik ansetzen, zum anderen auf die Objekte zugreifen.

Der in der Literatur bevorzugte Ansatz ist nach Wilhelm Schepping der essentialistisch-normative Ansatz. Dabei werden verschiedene empirisch nicht fundierte Werte und Zuweisungen (etwa Oralität, Popularität oder Anonymität) gesetzt, denen die Volksmusik genügen muß. Auf diese Weise geht auch Werner Mezger vor, der zwischen dem traditionellen Volkslied auf der einen Seite, dem Chanson, Jazz und dem Schlager auf der anderen unterscheidet.

Die drei letzten Typen haben dabei eines gemeinsam: Sie zielen auf einen Markt, werden also zum Verkauf produziert. Anders das Volkslied: Seine gesellschaftliche Grundlage ist die einfache Hauswirtschaft, bei der lediglich für den eigenen Bedarf produziert wird; dort ist Singen ein spontaner Ausdruck bestimmter Lebenssituationen. Bei diesem Ansatz wird also lediglich nach der Funktion gefragt, nicht aber nach dem tatsächlich gesungenen Repertoire. Mezger kommt der Realität damit am nächsten.

Denn die Singenden, so zeigen es Untersuchungen aus den Jahren 1977/78 und 1980, kümmern sich wenig um Gattungsbegriffe. Ihr aktiver Liedschatz besteht sowohl aus aktueller Popmusik, als auch aus traditionellem Liedgut. Die Menschen machen sich ihr Singgut mit dem 'Herrenrecht' des Volkes produktiv zu eigen.

Damit wird der Unterschied zwischen E- und U-Musik obsolet: Die meisten unterscheiden nicht zwischen 'wertvollem Volkslied' auf der einen und 'minderwertigem Schlager' auf der anderen Seite.

Lesen Sie, wie die Interviewpartner den Unterschied kennzeichnen.

 

 
  top  |   02.02.1999 E-Mail | Home | ?
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© Ralf Grabowski