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3.3.2004 Mit Spaß gegen den Ernst des LebensLehnen wir uns mal zurück und träumen ein wenig. Träumen von einer besseren Welt, in der die Menschen morgens mit Freude aufwachen, begeistert in ihre Büros gehen und Spaß haben an ihrer Arbeit. Ein Traum, meilenweit entfernt von der Realität in Deutschland. Einer Realität, in der laut einer neuen Gallup-Umfrage neun von zehn Arbeitnehmern entweder innerlich gekündigt haben oder nur noch Dienst nach Vorschrift schieben. "Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen", bläuten die Väter der Spaßgeneration ihrem Nachwuchs ein. Und teilten ihm damit unmissverständlich mit, dass Freude eine Kategorie des Erlebens ist die in der harten Arbeitswelt nichts verloren hat. Mehr noch: sogar in exakter Opposition zum Job steht, der gern auch als "der Ernst des Lebens" bezeichnet wird. Das muss nicht sein, denkt Ralf Nemeczek und sagt es auch _ laut. Und er schreibt ein Buch darüber, nennt es Fun Economy _ Spaßwirtschaft. Es ist ein Buch zum träumen, zum phantasievollen Beantworten der Frage "Was wäre, wenn...?" Wenn Menschen ohne die sozialpolitische Keule arbeiten, auch ohne Dosenpfand die Umwelt schützen und ohne Strafandrohung die Wilhelmstraße sauber halten würden? Sie täten es freiwillig; nur weil es ihnen Spaß machte? Ist das denn erlaubt? Nemeczek rüttelt an den Grundfesten marktwirtschaftlichen Denkens. Doch er tut es in einer fast zurückhaltenden Art, in dem er schlaglichtartig kurze Statements hinwirft, immer wieder unbequeme Fragen stellt und neue Perspektiven sucht. Dadurch ist das Buch angreifbar, weil es nur allzu gut mit dem populär-psychologischen Geschwätz der Motivations-Auguren spielt. Und weil es das als leere Hülle verschriene Schlagwort "Spaß" so offensichtlich und prätentiös vor sich her trägt. Doch Spaß erschöpft sich für den Autoren nicht im bloßen Konsumieren. Spaß findet sich für ihn nur dort, wo auch Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Wahrhaftigkeit oder Ehrlichkeit hochgehalten werden. Worte also, die schon leicht angestaubt wirken. Für Nemeczek jedoch sind dies Werte, die "Orientierung und Sinn geben"; Werte, die, wenn sie verletzt werden, "uns in Kinofilmen mitfühlen und mitfiebern lassen." Und aufmüpfig stellt er die Frage: "Sind es auch die Werte, die uns im Berufsalltag mitfühlen und mitfiebern lassen?" Seine Radikalität erhält das Buch aus seiner Mischung und seiner an vielen Stellen durchschimmernden argumentativen Tiefe. Nemeczek schüttet an Geläufigem zusammen, was ihm in die Finger kommt, rührt gut um und kocht den ganzen Sud auf. Heraus kommt ein leicht zu konsumierender, eingedampfter Fond mit einem fast schon anarchistischen Nachgeschmack: "Das alternative Paradigma für die Fun Economy lautet: Geldverdienen ist ein Darf!" Das Bändchen besteht aus sehr vielen Anreißern: Schlagworte wie Persönlichkeitsentwicklung, Net-Working, Teamarbeit oder Paradigmenwechsel werden kurzerhand hingeworfen ohne auch nur in einen größeren Kontext eingeordnet oder debattiert zu werden. Das ist einerseits schade, macht es den Leseeindruck doch sehr flüchtig und auf den ersten Blick wenig gehaltvoll. Andererseits jedoch regt es die Phantasie an, macht Lust, die Themen andernorts zu vertiefen, weckt die Experimentierfreude und bietet auch beim x-ten Durchblättern noch ein neues Aha-Erlebnis. |
Das BuchRalf G. Nemeczek: Fun Economy. Made by Inspired People. Verlag BusinessVillage, 2003. 284 Seiten, 24,80 Euro. Mehr lesen"Die, die rumjammern, die treffen sich immer und überall", sagt Ralf G. Nemeczek in meinem Interview. |