Montag, 06. Februar 2012

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12. Juli 2008

Lebenshüte und Ziele

In dieser Folge betrachten wir nicht mehr allein die Produktivität am einzelnen Tag, sondern schauen uns einen längeren Zeitraum an. Der Zeitmanagement-Experte Lothar Seiwert schlägt in seinem Buch »Wenn Du es eilig hast, gehe langsam« einen Prozess vor, der wie der Zoom einer Kamera funktioniert. Zunächst wird wie durch ein Weitwinkel-Objektiv das ganze Leben betrachtet. Dies ist die Perspektive für Visionen, Leitbilder und Lebensziele, aus denen die einzelnen, wichtigen Rollen ­ »Lebenshüte« genannt ­ entwickelt werden.

Anschließend zoomt die Kamera näher, der Ausschnitt wird kleiner, sodass Jahresziele heruntergebrochen werden ­ zunächst auf die Woche, schließlich auf den Tag. Ganz ähnlich gehen Autoren um Jörg Knoblauch in ihrem Buch »Dem Leben Richtung geben« vor. Die Tagesplanung, schreiben sie, sei die »Maulwurfsperspektive«, die Lebensplanung dagegen die Perspektive des Adlers.

Das Leitbild

Zentrales Motiv sind zunächst existenzielle Fragen: Was will ich vom Leben, was ist mir wichtig? Welches sind meine Herzensangelegenheiten und wo liegen meine Talente? Welche Ziele möchte ich erreichen? Die Autoren beschreiben unterschiedliche Übungen, wie der Leser sich selbst auf die Schliche kommen kann. Eine davon ist eine Visualisierungsaufgabe: Denken Sie sich vom heutigen Datum an gerechnet fünf Jahre weiter. Wie wird Ihr Leben ganz konkret aussehen? Wichtig dabei ist, diese Übung mit einem Stift in der Hand zu erledigen ­ entweder mit einem Zeichenstift oder mit einem Filzer.

Betrachten Sie die vier Lebensbereiche »Arbeit, Leistung«, »private Beziehungen«, »Körper, Gesundheit« sowie »Sinn, geistige Werte« und malen oder beschreiben Sie so detailliert und fantasievoll wie möglich sich und Ihr Umfeld in fünf Jahren. Leitfragen sind: Was machen Sie beruflich? Wie sehen Sie aus? Wo leben Sie? Wie arbeiten Sie? Wichtig dabei ist, sich von gängigen Vorstellungen der Karriereplanung zu lösen und sich auf seine Talente und Werte zu konzentrieren.

Der Tag zum Träumen

Das Autorenteam um Jörg Knoblauch plädiert für einen regelmäßigen »Dreamday« ­ eine Auszeit, in der ritualisiert über das eigene Leben nachgedacht wird. Das kann eine Wanderung zu einem schönen Ort sein, möglich sind auch Exerzitien in einem Kloster oder gemütliche Stunden im Straßencafé. Wichtig ist, dass Sie den Ort mögen und an ihm zur Ruhe kommen. Er bietet die Möglichkeit, sich selbst zu verorten. Sind Sie noch in Richtung Ihrer Vision unterwegs oder kamen Sie unbemerkt vom Weg ab?

Die Lebenshüte

Jeder schlüpft im Laufe eines Tages oder einer Woche in ganz unterschiedliche Rollen: in die des Mitarbeiters, des Kollegen oder des Chefs, in die des Partners oder Elternteils, in die des Freundes oder Vereinsvorsitzenden, des Hobbykochs oder Freizeitkickers. Welche dieser Rollen sind einem wirklich wichtig? Diese Rollen, die mehr Zeit und Energie kosten, sind die »Lebenshüte«, von denen es nicht mehr als sieben geben sollte. Seiwert weiß: »Häufig entpuppen sich Zeitprobleme als Kapazitätsprobleme.

Der Trick ist also, sich zu konzentrieren ­ ganz nach dem Motto: »Weniger ist mehr«. Der Fachmann beschreibt folgendes Vorgehen. Notieren Sie alle Lebenshüte auf einem Blatt Papier. Im zweiten Schritt kommt die Bewertung: Die angenehmen bekommen ein Smiley, die unangenehmen werden gestrichen. Sollten zu viele angenehme übrig sein, müssen Sie nochmals ran. Leitfragen dabei sind: »Will ich diese Rolle wirklich?« oder »Was passiert, wenn ich darauf verzichte?« Egal wie: Am Ende dürfen nicht mehr als sieben übrig bleiben.

Smarte Ziele

Sind die Lebenshüte definiert, geht‘s daran, für jeden einzelnen ein handhabbares Ziel zu formulieren. Zunächst einmal ein Lebensziel, daraus leiten Sie eines fürs kommende Jahr ab und schließlich für jeweils die kommende Woche. Achten Sie darauf, dass Sie für jeden Lebenshut ein, maximal zwei Ziele definieren.

Wie jedoch muss ein solches Ziel beschaffen sein? Es soll in jedem Fall »smart« formuliert sein. Dieses Akronym dient als Eselsbrücke für die Beschreibungen spezifisch, messbar, aktionsorientiert, realistisch und terminiert. »Ich will in diesem Jahr mehr Sport treiben«, ist nach dieser Definition also kein richtiges Ziel, sondern: »Ich will ab sofort jede Woche an mindestens vier Tagen eine halbe Stunde Ausdauersport treiben und am Ende des Jahres mein Körpergewicht unter 75 Kilo haben.«

Was dann noch fehlt, ist lediglich die Disziplin, sich an seine selbst auferlegten Ziele zu halten. Mit diesem Verfahren, sagen die Buchautoren, sei es möglich, seine große Lebensvision auch in der Alltagshektik im Blick zu behalten und ihr jeden Tag ein Schrittchen näher zu kommen.

Es geht aber auch ganz anders. In der nächsten Folge der GEA-Serie stellen wir den Ansatz »Getting Things Done« vor. Das vor allem unter sogenannten »Wissensarbeitern« heiß diskutierte System kommt ganz ohne Prioritäten und Visionen aus. (GEA)

Serie Zeitmanagement (2) ­ Von der Vision als Leitstern bis zu den Aufgaben, die jeden Tag erledigt werden

Infos und Literatur

Lothar Seiwert: Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Mehr Zeit in einer beschleunigten Welt. Campus-Verlag. 17,90 Euro. Ein allumfassendes Buch mit vielen Anleitungen und Aufgaben.
Jörg W. Knoblauch, Johannes Hüger, Marcus Mockler: Dem Leben Richtung geben. In drei Schritten zu einer selbstbestimmten Zukunft. Campus-Verlag. 19,90 Euro. Der Schwerpunkt liegt auf der Positionsbestimmung. Viele Übungen beschäftigen sich mit der Rückschau, mit Visionsentwicklung und der Suche nach dem Sinn. Gestreift werden auch allgemeine Zeitmanagement-Prinzipen.

Die Teile der Serie

Auftaktinterview
Teil 1: Schriftliche Planung
Teil 2: Prioritäten und Ziele
Teil 3: Getting Things Done und ein Interview dazu
Teil 4: Viele Helferlein
Teil 5: Umgang mit E-Mail
Teil 6: iPhone oder Moleskine?