Montag, 06. September 2010

www.grabowski.de > text > kultur

 

19. Juli 2008

Gedopte Radler am frühen Morgen

Nun schnappen sie sich also wieder die gedopten Radler bei der Tour. Bis Redaktionsschluss hat es drei von ihnen erwischt. Die ersten beiden waren Spanier, die sich nicht nur Sangria, sondern auch sonst irgendwelches Zeugs genehmigt haben. Tja, die Iberer: Wussten wir doch schon nach dem versemmelten EM-Finale, dass bei denen nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann.

Es gebe eben immer noch einige »Unbelehrbare« sagt Hans-Michael Holczer, der Chef des deutschen Gerolsteiner-Teams. Aber deren Zahl sei gesunken, konstatiert er. Von wegen! Wenn ich mich so umsehe, dann steigt die Zahl kontinuierlich.

Das wird mir klar und deutlich, wenn ich morgens ins Büro radel. Da geht es zwölf Kilometer immer wieder hoch und runter - über Felder, an Ohmenhäuser Pferdekoppeln vorbei und am Waldrand entlang Richtung Reutlingen. Kurz vor der Stadtgrenze, bevor ich ins Schafstall-Gebiet hineinfahre, wird es noch einmal knackig. Wobei ich hier mit ein wenig Stolz sagen kann, dass ich an diesem Buckel mittlerweile nicht mehr aufs kleinste Ritzel schalten muss.

Jedenfalls keuche ich diesen engen Hohlweg hoch - und da überholen mich doch des Öfteren hin und wieder andere Radler. Keine dieser hochgezüchteten Tretmaschinen mit ihren eng anliegenden Trikots, unter denen sich gestählte Muskeln abzeichnen. Nein! Mal ist es ein älterer Herr mit Flanellhose und Aktentasche auf dem Gepäckträger, dann jemand mit schon sehr schütterem Haar auf einem alten Dreigang-Rad. Und die haben noch nicht mal eine Fahrradhose an! Und sie schwitzen auch nicht! Während ich hier morgens immer noch unter die Dusche hüpfen muss. (Was mich jedoch beruhigt: Eine Frau hat mich noch nie überholt.)

Also, wenn Sie mich fragen: Die sind doch alle gedopt. Wahrscheinlich werfen die schon zum Müsli morgens ihre Pillen ein oder haben unter dem Sattel so eine Spritzenvorrichtung. Ich jedenfalls werde da nicht mitmachen! Ich habe mir jetzt ein Hollandrad zugelegt. Und ab nächster Woche fahre ich lustig pfeifend diesen steilen Hohlweg in Serpentinen hoch - und zwar so langsam und so zittrig, dass die ganze Epo-Bande mich nicht überholen kann und deshalb nach mir oben ankommt.

Eine Lästerei über die Tour-Radler und andere Spriteznsportler