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September 2004 Camping ist ja so schön!Ich vermisse Lißa. Ja, ich muss zugeben: Irgendwie ist sie mir ans Herz gewachsen. Es war nur eine kurze Zeit, die wir miteinander hatten. Doch jeden Tag dieses kurzen Sommerurlaubs am Meer hatte ich ihren Namen im Ohr. Lißa. Oh, ich weiß übrigens nicht, ob Lißa sich so schreibt; dieses "Scharfe-S" in der Mitte sieht wirklich ungewöhnlich aus. Aber so wurde sie gerufen; von ihrer Mutter. "Lißa - aus!", gellte es mit einem mindestens doppelten "Scharfen-S"über den Campingplatz. "Lißa - komm!", "Lißa - lass das!" Oder: "Lißa - Platz!" Nein, stimmt nicht. Aber viel fehlte nicht, und wir alle hätten Lißa für einen Hund gehalten. Ist sie aber nicht. Lißa ist ein lustiger, anderthalbjähriger Blondschopf. Eine Dogge ist dagegen ihre Mutter. Womit wir beim Thema wären. Selbst wenn's noch so eng zugeht in unserem zivilisierten Leben - im Hochhaus oder in diesen modernen Reihenhaussiedlungen mit handtuchgroßem Garten: Immer wahren wir die Distanz, halten die Türen und Fenster geschlossen beim Familienkrach, ziehen brav die Vorhänge zu beim Knutschen, steigen nur hinter Milchglasfenstern in die Badewanne. Anders im Urlaub: Da entblöden sich Camper nicht, morgens mit verstrubbelten Haaren und blankem Oberkörper vor dem Wohnwagen zu sitzen, sich öffentlich Pickel auszudrücken, vor dem Spiegel im Gemeinschafts-Waschhaus ausgiebig in der Nase zu popeln oder auf der Toilettenschüssel nebenan zu pupsen. Ein öffentliches Leben, dem die kleinen Spießer da plötzlich frönen. Und genau das ist das Schöne am Campen: Neben viel frischer Luft, meistens Sonne und Wasser bekommt man die Unterhaltung gratis dazu. Etwa beim nächtlichen Gang auf die Toilette: Ah, hier in diesem Zelt hat sich das Pärchen mal wieder in der Wolle, dort dringen unkeusche Geräusche durch die Leinwand. Ach, und dass der Dicke in jenem Zelt schnarcht, war sowieso klar. |
Eine Lästerei |