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21.09.1999 "Ich bin normal, mein Leben ist es nicht."Ally McBeal ist ein klein wenig zu dünn, sie trägt ein klein wenig zu kurze Röcke und ist im Gerichtssaal ein klein wenig zu hippelig. Ally ist die Protagonistin der gleichnamigen Fernsehserie, die jeden Dienstag Abend um zehn Uhr auf VOX zu sehen ist. Doch im Gegensatz zu vielen Flachsinns-Serien bietet Ally McBeal richtig gute Unterhaltung, wofür Produzent und Drehbuchautor David E. Kelley nun den begehrten Fernsehoscar Emmy einheimste. Die durchgeknallte Serie um die verrückte Anwaltskanzlei Cache & Fish ist bereits kurz nach ihrem ersten Erscheinen in den USA zur Kultserie avanciert. Was nicht nur an den abgedrehten Fällen der Kanzlei liegt, sondern vor allem an deren exzentrischen Anwälten. Ally etwa ist, wie die anderen auch, um die dreißig, leidet an (für den Zuschauer höchst vergnüglichen) Halluzinationen, an Neurosen und Psychosen. "Warum", fragte Allys Kollegin und Nebenbuhlerin Georgia, "sind deine Probleme immer wichtiger als die anderer Leute?" Daraufhin Ally ganz spontan und kindlich egozentrisch: "Na, weil es meine sind." Nebenbei ist Ally jedoch beständig auf der Suche nach dem richtigen Mann. Klingt flach, ist aber auf eine bemerkenswert intelligente Art witzig. Und die anderen Akteure? John Cage beispielsweise, das "Gummibärchen", ist mit ähnlich heftigen Neurosen wie Ally ausgestattet - weshalb beide ein nettes Pärchen abgeben würden. "Wenn ich dabei bin", erklärt Ally ihm, "bist Du nicht mehr der seltsamste Mensch im Raum." Im Gerichtssaal läuft Cage indes zur Höchstform auf, wenn er mit fiesen kleinen Tricks die Anwälte der Gegenseite verunsichert und dennoch regelmäßig die Geschworenen um den Finger wickelt. Kein Zweifel: Die Serie Ally McBeal ist witzig, höchst kurzweilig, ja fast schon genial. Gründe genug für die grassierende "Allymania". Wer ins Internet schaut, findet über 17.000 Einträge zur Serie: Auf vielen Fanpages sind Infos und Gimmicks zu den Schauspielern, allen voran "Ally" Calista Flockhart, zusammengetragen, aber auch zu anderen interessanten Figuren der Serie, dem computergenerierten tanzenden Baby etwa (das einen Boom im Web auslöste) oder den swingenden Zwillingen. Ein Fan hat sich sogar die Mühe gemacht, eine Homepage der Kanzlei "Cage/Fish and Associates" zu erstellen. Zentrale Seite dabei: Die Unisex-Toilette der Büroetage. Doch in den Filmen schwingt mehr mit als nur Klamauk. Bereits kurz nach den ersten Folgen tauchte die Serie in kulturwissenschaftlichen Seminaren an Universitäten auf, waren im Internet ausführliche Analysen zu finden. Es ist der postmoderne und vor allem post-feministische Ansatz, der die Serie nicht nur bei der eigentlichen Zielgruppe (Frauen zwischen 18 und 49), sondern auch bei Männern so erfolgreich macht. Die fest zementierte Trennung zwischen Gut und Böse ist gelockert, Frauen und Männer sind aus ihren angestammten Rollen gelöst. In der Figur der Ally McBeal finden sich viele junge, erfolgreiche und dennoch unglückliche Frauen wieder. "Wir Frauen", sagt Ally kämpferisch zu ihrer WGMitbewohnerin Rene, "bilden die Hälfte der Weltbevölkerung, wir haben die Macht, wir werden die Welt verändern." Nach einem kurzen Blick zur Seite setzt sie energisch nach: "Aber vorher will ich noch einen Mann." Eben erst ist die zweite Staffel bei Vox angelaufen, Ally bleibt uns glücklicherweise noch eine gute Zeit erhalten. Derweil kursiert in Internet-Newsgroups das Gerücht, der Produzent Kelley, der auch für "Picket Fences" und "Chicago Hope" verantwortlich ist, plant gerade die dritte Staffel. Eine Auswahl an Ally-Links: Die offizielle Seite der Produktionsfirma findet sich unter www.fox.com/ally/. Der Fernsehsender VOX hat unter www.vox.de/serien/ally/ ebenfalls Informationen ins Netz gestellt. Die zentrale deutsche Fanpage mit ausführlichem Episodenführer ist unter www.ally-mcbeal.de/ zu erreichen. www.allymcbeal.de/ hat leider etliche defekten Links, dafür aber ein Forum zum gemeinsamen Ausleben des "McBealismus". Unter bluesphere.simplenet.com/AllyMcBeal/ finden sich ausgezeichnete Infos zur Serie sowie Videoclips und Bilder. Die Homepage der Kanzlei ist unter members.xoom.com/cagefish/ erreichbar. Die tanzenden Zwillinge haben ebenfalls eine eigene Page: members.aol.com/allytwins/. Neben der offiziellen Seite des tanzenden Babys (ourworld.compuserve.com/ homepages/rlussier/animpage.htm) hat sich ein ganzer Freundeskreis dieser kleinen animierten Figuren (unter dancing-baby.net/) zusammengefunden. Weitere "Baby"- Links gibt's unter www.todaystechnologies.com/baby.htm. John Katz hat seinen Analyse der Serie unter "Deconstructing Ally" unter www.hotwired.com/synapse/katz/98/11/katz1a_text.html publiziert. |
Das ThemaDie Kultserie Ally McBeal sorgt nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Hörsaal und im Internet für Furore
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