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16. 1. 2010
Laßt mich doch alle in Ruhe!
Neulich abends stehe ich vor dem Fernseher am Bügelbrett. Die Krimiserie macht gerade Pause, und ich sehe eine hübsche Lady mit makellosem Lachen. Sie stopft heiter und gut gelaunt eine Tischdecke in die Trommel, die ihre Gören zuvor mutwillig bekleckert haben. Kein Problem, suggeriert mir die Werbung, mit diesem Waschmittel gehen sämtliche Kakao-, Schokokrümel- und Filzstiftflecken wie von Zauberhand wieder heraus. Stimmt aber nicht, wie ich an den Tischsets auf meinem Bügelbrett sehe.
Am anderen Morgen, während des Frühstücks, schaffen es die beiden Radiomoderatoren, eine gesamte Sendestunde mit halb garen Witzen, penetranten Hinweisen auf eine vom Sender organisierte Reise und vor allem viel Gejammer übers Wetter zu bestreiten. Dafür zahle ich also Gebühren, um mir anzuhören, wie schrecklich es ist, dass jetzt, mitten im Januar, so viel Schnee liegt! Und es tagsüber womöglich unter null Grad bleibt!
Im Briefkasten liegt Werbung vom Autoclub: Ich hätte die Ehre, bei einem ganz besonderen Gewinnspiel teilzunehmen. Das dürfe nicht jedes Mitglied, nur ich, weil ich ein so guter Kunde des Buchverlags des Autoclubs sei. Einen Moment überlege ich, dann fällt mir ein, dass ich tatsächlich mal ein Buch von denen bestellt hatte. Das muss drei oder vier Jahre her sein und ich bin sicher, dass ich es prompt wieder zurückgeschickt hatte, weil es doch nicht das Richtige war.
In der neuen »Bunte« wird in einer Personality-Bilder-Strecke der Verkehrsminister Peter Ramsauer hochgejubelt: Ein ziemlich blass und bieder daherkommender Politiker als glanzvoller Macher im Dreiteiler und in sich versunkener begnadeter Pianist. Und in einem sozialen Netzwerk will jemand mein Freund werden, mit dem ich unter Garantie noch nie etwas zu tun hatte. Beim Lesen seines Profils stelle ich fest, dass er an Multi-Level-Marketing interessiert ist und als Versicherungsmakler arbeitet.
Was das alles miteinander zu tun hat? Ganz einfach: Mir drängt sich der Eindruck auf, nach Strich und Faden veräppelt zu werden. Da setze ich mich abends doch lieber in meine Lieblingskneipe, wo ich ganz ohne Hintergedanken mit echten Leuten plaudern kann und das Pils noch ganz ehrlich von Hand gezapft ist.
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