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19. 9. 09
Hoch auf die Ampel
Die Verbraucherschützer fordern die Ampel. Und meinen damit nicht noch mehr Verkehrslichtzeichen auf den Straßen. Sie meinen auch nicht eine große Regierungs-Koalition aus SPD, FDP und Grünen. Sie setzen auf ein Ampelsystem zur Kennzeichnung der Lebensmittel.
Wenn es nach ihnen geht, soll künftig die Flasche Cola auf Rot stehen, was mir signalisieren wird: »Junge, lass da mal die Finger weg.« Und mein Lieblings-Schokoriegel wird gleich drei rote Ampeln aufweisen, was mir den Griff zum Apfel erleichtern soll. Aber im Ernst: Obst ist lange keine so gute Nervennahrung wie ein Stück Schokolade. Und ein Schluck Leitungswasser ist nach dem Sport ein Segen, aber nicht beim abendlichen Fernsehgucken zur Tüte Chips.
Mag ja alles gut gemeint sein. Dennoch werde ich den Eindruck nicht los, dass mich die Verbraucherschützer nicht ganz für voll nehmen. Zwar darf ich wählen gehen, Auto fahren und Kinder in die Welt setzen. Ich darf sogar Bundespräsident werden. Aber dass ich selbst weiß, dass mein morgendliches »Super-Crunchy-Schokobomben-Müsli« nur deshalb so süß und knusprig ist, weil der Hersteller pfundweise Zucker beimischt – dieses Wissen trauen sie mir nicht zu. Was glauben die eigentlich? Dass ich Salami für Wellness- und Chips für Diätprodukte halte? Weshalb wollen sie mir, wie einem Kindergartenkind, mit roten, gelben und grünen Bobbeln signalisieren, was gut für mich ist und was nicht?
Am allermeisten nervt es mich aber, dass sie die bunten Bobbel an so unwichtigen Dingen wie dem Eisbecher und dem Beutel mit den Erdnüssen im Honigmantel anbringen. Und nicht an wirklich wichtigen Sachen, die das Leben so richtig beeinträchtigen.
Mir wäre beispielsweise geholfen, wenn die Fernsehzeitschriften eine solche Kennzeichnung einführten. Knalliges Rot für volkstümlichen Quatsch mit Florian Silbereisen und die Liebesfilme von Inga Lindström, den gelben Bobbel bekommt der Rest bis auf die Sportschau, für die freie Fahrt gilt. Oder in der Kneipe: Das zweite Bier steht noch auf Grün, das dritte Glas wird schon mit einem gelben Bobbel auf den Tresen gestellt und ab dem fünften prangt ein roter Punkt drauf.
Auch bei Kindern könnte die von Gelb auf Rot springende Warnung dazu dienen, klar zu machen, dass der Nachwuchs nun endgültig die Pubertät erreicht hat. Viel Leid wäre mir erspart geblieben, hätten auch Frauen ein solches Signal auf der Stirn pappen: Rot für »geht gar nicht«, gelb heißt »wird richtig schwierig« und grün stünde für »eine Beziehung könnte vielleicht klappen«. (GEA)
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