Montag, 06. September 2010

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12. 6. 2004

Der elektronische Blick nach hinten

Claes Rydholm lässt die Arme schweifen und sagt mit dem weichen, leicht singenden Akzent vieler Schweden: "Das ist doch alles eine große Familie." Der stämmige Schwede mit dem schon leicht schütteren Haar lächelt. Als oberster Volvo-Presse-Mann vertraut er seinen Marketingleuten. Nach deren Ansicht könnten die Kunden sehr wohl den Charakter der einzelnen Wagen einschätzen. Kannibalisierungen innerhalb der eigenen Modellpalette gibt es nicht.


Die Änderungen fallen dem ungebübten Beobachter nicht auf Anhieb auf: Die neuen großen Volvo-Modelle (hier ein S 60) zeichnen sich unter anderem durch eine neue Leuchtengeometrie und Klarglasoptik aus.
FOTO: VOLVO

Das Volvo-Design: Breite Schultern, bulliges Auftreten, markant-sportliche Linienführung. Seit Beginn des Jahres präsentiert sich auch die kleine Baureihe in diesem nordisch-funktionalen Stil. Und der Beobachter muss schon sehr genau hinschauen, um die Unterschiede zwischen S40/V50 und den großen Brüdern zu erkennen. Damit die nicht zu alt aussehen, wurden sie nun ein wenig renoviert.

Die Aufgabenstellung für das Facelift: Einerseits wollte man der Charakter der einzelnen Modelle stärker betont, andererseits sollten besonders gelungene Merkmale allen Modellen zu guten kommen. Mit Retuschen vor allem an den Lichtern, am Kühlergrill und im Innenraum unterstrichen die Designer beim S 60 den sportlichen Charakter, beim V 70 die Eleganz und beim XC 70 den robusten, kraftvollen Auftritt. Gerade der für Schmutz und Matsch ausgestattete XC 70 bekam größere Unterboden-Schutzplatten. Die große S 80 Limousine wurde bereits vor einigen Monaten runderneuert.

Munterer Austausch von Stilelementen

Neben diesen Differenzierungen gibt's auch einen munteren Austausch von Elementen. Die sportliche, Spaceball genannte Schaltkonsole aus dem S 60 ist nun auch im großen Kombi verfügbar, die eleganten farblichen Kontraste des Innenraums, wie sie in den beiden großen 80er- und 90er-Modellen zu finden waren, werden in den anderen Modellen angeboten; der XC 70 erbt vom 90er die großen Außenspiegel.

Alle Modellen schließlich bekommen neue Lichter in Klarglasoptik, hochwertigere Materialien im Innenraum sowie eine neue multifunktionale Mittelarmlehne. Neu ist auch das Four C-Fahrwerk, das für mehr Sicherheit und Komfort sorgen soll. Auf Knopfdruck kann der Fahrer zwischen einem sportlichen und einem bequemen Fahrstil wählen, wobei die Abstimmung aufs Modell zugeschnitten ist.

Volvo würde seinem Image nicht treu bleiben, beschränkte sich ein Facelift lediglich auf Designänderungen. In Punkto Sicherheit haben die Schweden nachgelegt und bieten für alle erneuerten Modelle (auch für den S 80) Blis an, ein elektronisches System, dass den gefährlichen toten Winkel genau beobachtet.

Blis unterstützt den Fahrer

Blis arbeitet mit zwei Digitalkameras, die unter den Außenspiegeln montiert sind. Die Linsen überblicken den seitlichen Raum neben dem Wagen in einer Breite von rund drei und einer Länge von knapp zehn Metern. Ein orangefarbenes Licht direkt neben den Spiegeln warnt den Fahrer, wenn ein anderer Wagen oder ein Motorradfahrer etwa beim Überholen im toten Winkel ist. Aber nur beim richtigen Geschwindigkeitsunterschied. Parkende Autos oder Leitplanken werden ignoriert.

Auf unserer Testfahrt in starkem Regen jedoch versagt Idis seinen Dienst. Geht auch nicht anders, erklärt Rydholm, schließlich muss sich die Elektronik auf die Kamera verlassen. Und die sieht bei Sauwetter nicht besser als das menschliche Auge. In der Regel jedoch bietet das gegen 600 Euro Aufpreis erhältliche System einen deutlichen Sicherheitsvorteil. In diesem Preis ist auch ein besonders beschichtetes, wasserabweisendes Glas etwa für die Außenspiegel enthalten. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, den Beifahrer-Airbag zeitweilig abzuschalten - um etwa einen Kindersitz auch auf dem vorderen Sitz zu montieren.

Über 14.000 Einheiten der Modelle S 60 sowie der beiden 70er will Volvo in diesem Jahr in Deutschland verkaufen. Die runderneuerten Wagen sind jetzt schon zu bestellen, produziert werden sie jedoch erst nach den Werksferien im Spätsommer. Blis wird erst mit Beginn des kommenden Jahres erhältlich sein.

Mit Ausnahme des schon etwas betagten C 70 - Cabrios zeigt sich damit die komplette Volvo-Flotte in einem aktuellen und einheitlichen Kleid. Doch ein Merkmal haben die jungen S40/V50 den Großen voraus: Idis, das intelligente Fahrer-Informationsmanagement, gibt's nur in der kleinen Baureihe.

Präsentation

Volvo renoviert seine große Baureihe und führt neue Sicherheits- Technologien ein.