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5. 11.2005 Leidenschaft? Fehlanzeige!Unsere Beziehung begann im Herbst vor zwölf Jahren. Und ich sage es gleich: Es war keine Liebesheirat, es war eine Vernunftentscheidung! Seinerzeit hatte ich mich von einem sehr betagten Volvo 244 trennen müssen - einem jener Schlachtschiffe aus Schwedenstahl, in denen der rechte Winkel noch zu seinem Recht kam und die sich mit dem Cw-Wert eines Wohnzimmer-Einbauschranks gegen den Fahrtwind stemmten.
Doch diese Liaison war zu Ende, basta. Die Wahl fiel auf einen neuen 460. Ich gebe zu, dass die recht ordentliche Mitgift der Brauteltern (also des Volvohändlers meines Vertrauens) entscheidend zu diesem Entschluss beigetragen hat. Und so stand also an diesem stürmischen, nieseligen Herbsttag der neue rote 460 vor dem Haus: So klein und so rund. Viel zu windschnittig, keine rechten Winkel, keine Kanten. Würde ich glücklich werden mit ihm? Wie lange würde unsere Beziehung halten? Lange, kann ich aus heutiger Sicht sagen. Und ob sie glücklich ist? Irgendwie wohl schon, sonst hätte sie nicht so viele Jahre gedauert. Leidenschaftlich war sie jedoch zu keinem einzigen Augenblick. Nie habe ich dieses tiefe, innige Glück verspürt beim Einsteigen oder beim Griff ans Lenkrad. Nie schweifte mein Blick zärtlich über das Blechkleid oder die Armaturen. Nie verspürte ich Stolz beim Vorführen des Wagens. Unsere Beziehung war und ist auch heute noch grundsolide und abgeklärt. Sie fußt auf dem tiefen Vertrauen, das viele langjährige Partnerschaften auszeichnet. Wir kennen uns und wir respektieren uns. Er verzeiht mir, dass ich nicht regelmäßig nach Öl und Kühlwasser schaue und ihn vielleicht auch etwas zu selten unter die Dusche stelle. Ich lass? es durchgehen, dass er (wie jüngst auf der Autobahn) schlapp macht und erst ein ADACler ihn wieder flott bekommt. Sowas passiert, nicht der Rede wert. Diese Generosität kann ich mir leisten. Schließlich kenne ich ihn viele Jahre als zuverlässigen, untadeligen Begleiter. Anstandslos schaukelte er mich über die Alpen und durch Italien, nach Frankreich und durch seine Heimat, den hohen Norden. Durchlitt mit mir Fahrten zum Zahnarzt und zu Prüfungen, brachte mich sicher zu Rendezvous und Dates. Und das wird er, da bin ich mir sicher, auch in den nächsten Jahren noch tun. Ich vertraue ihm, auch wenn er neuerdings nach dem Anlassen so seltsam quietscht. Denn bisher haben wir uns alle unsere Verschrobenheiten verziehen. |
Das ThemaAbgefahren: Wie eine grundsolide, vernünftige Beziehung auch glücklich machen kann |