Mittwoch, 08. September 2010

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4. 9. 2004

Aus dem gleichen Stall

Wer hätte gedacht, dass die Waldwege durch den Schönbuch geeignet sind, sich zu verirren. Die Lichtkegel der Scheinwerfer tanzen durch die Nacht und erschrecken Hasen. Eigentlich sollte die Fahrt kurz sein, das Ziel eine Wiese, um den Mond und Sternschnuppen zu beobachten. Von beidem weit und breit keine Spur. Zeit genug für Erinnerungen an die erste Schwedenreise in einem alten 340, der ersten kleinen Baureihe von Volvo. Im Gegensatz zu den damals aktuellen 240ern (das waren die großen Kantigen, die irgendwie an einen Wohnzimmerschrank erinnerten) wirkte er fast schon sportlich. Dennoch fuhr der kleine »Holland-Volvo« im Windschatten der großen Brüder. Das änderte sich erst mit den 400ern, die die Formen der großen Baureihe vorwegnahmen.

Zwischen den Bäumen blinzelt die Mondsichel hindurch, klaglos nimmt das Fahrwerk die Schlaglöcher des Waldweges auf. Links in die Abzweigung reinfahren, aussteigen, Decke und Proseccoflasche nicht vergessen. Die Scheinwerfer bleiben an und zeigen uns den Weg zu einer kleinen Wiese. Nach einer Minute gehen sie automatisch aus. Der S 40 ist gepackt mit solchen netten, praktischen Spielereien. Ein langer Druck auf den Auslöseknopf der Funkfernbedienung etwa, und alle Fenster senken sich automatisch - was sehr praktisch ist im Sommer.

Coupéhafte Linien

Bei diesem jüngst vorgestellten neuen S 40, den wir für einige Tage fahren konnten, schafften es die Designer, die Formen - den Look - der großen Plattform zu schrumpfen. Ohne ihr Werk pummelig aussehen zu lassen. Die aktuellen drei Limousinen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Sie haben alle die maskulinen Schultern, die coupéhafte Dachrundung, die dynamische, vorantreibende Linienführung, den bugartig und keck vorgereckten Kühler, das markante, mit großen Leuchten ausgestattete Heck.

Wenig Kopffreiheit

Keine Frage: Der S 40 ist klein, auf der Hinterbank stoßen große Menschen am Dachhimmel an. Doch der Fahrer findet dank vielfältiger Einstellmöglichkeiten des Sitzes und des Lenkrades seine ideale Position. Auch der Kofferraum beitet genügend Stauraum. Unpraktisch könnte lediglich die kleine Klappe sein - eine Remineszenz ans Design.

Nicht nur die äußere Erscheinungsform, auch das Interieur sowie das vorbildliche Bedienkonzept ist bekannt aus der großen Baureihe. Die in Aluminium gehaltene Mittelkonsole scheint freischwebend zu sein, auf ihr sitzen die wichtigsten Schalter und Knöpfe. In der Mitte ein Ziffernblock füs Radio und die optional erhältliche Freiprechanlage sowie Tasten für Klima und Sitzheizung. Dominiert wird die Konsole von vier großen Drehreglern für Lautstärke, Senderwahl, Ventilation und Temperatur.

Hier kennt sich ein neuer Fahrer sofort aus, hier fühlt er sich auch gleich wohl. Denn Volvo verwendet angenehme Materialien für die Stoffe, die Sitze; selbst die Schalter und Regler fassen sich gut an.

Der Prosecco perlt im Campingbecher, irgendwo zirpen die Grillen. Der neue Volvo S 40 ist schön einfach zu fahren: Die direkte Lenkung und ein kleiner Wendekreis unterstützen das gute Handling. Nur der Motor könnte im unteren Drehzahlbereich besser ziehen, dafür ist er leise. Angenehm überrascht waren wir von der unauffällig vor sich hin werkelnden Klimaanlage, die den Inneraum kühlt, die Passagiere aber nicht mit störender Zugluft nervt.

Jede Menge Sicherheit

Schade ist, dass der S 40 recht wenig Ablagemöglichkeiten bietet. So wirken etwa die Fächer in den wuchtigen Türen recht mickrig. Immerhin: Zwischen den Sitzen ist Platz für zwei Getränkehalter, in einem steckt jedoch ein mobiler Aschenbecher drin.

Der Platz wurde von den Ingenieuren anders genutzt, denn der Wagen ist vollgestopft mit Sicherheitssystemen. Als Insasse fährt man in diesem neuen S 40 genauso sicher wie in den großen, beteuern die Volvo-Leute. Höhere Steifigkeit, klar definierte und unterschiedlich feste Knautschzonen, Airbags rundherum, SIPS gegen den Seitencrash und WHIPS gegen das Schleudertrauma beim Crash von hinten.

Gutes Fahrwerk

Auch die DSTC genannte Fahrdynamikregelung ist serienmäßig. Doch wir mussten den S 40 schon brachial in die Kurven zwingen, um die Elektronik zum Arbeiten zu bewegen: Ein Hinweis auf das hervorragende Fahrwerk. Alles in allem ist der S 40 ein sehr schönes und praktisches Auto, in dem das Fahren keinen Stress, dafür richtig Spaß macht.

Aber ehrlich: Wer will bei einem solchen Abend eigentlich an die Heimfahrt denken?

Reutlinger General-Anzeiger

Fahrbericht

Der neue Volvo S 40 sieht den großen Limousinen zum Verwechseln ähnlich

Lesen Sie auch den Bericht über die Präsentation des neuen Volvo S 40.