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10.7.2004 Das große Prickeln fehlt»Das System erkennt ihren Befehl nicht«, sagt die Frau. Na klasse. Wir sind mit 150 auf der Autobahn unterwegs, und der Wagen ziert sich. »Du Kuh« krähen die Kinder von der Rücksitzbank und lachen über ihr freches Geplapper. Die elektronische Stimme jedoch bleibt gelassen. »Der Kartenmodus wird aktiviert«, tönt es angenehm aus dem Lautsprecher. Endlich eine charmante und vor allem pflegeleichte Beifahrerin, wenn auch manchmal recht begriffsstutzig.
Schöne neue Autowelt: Im Toyota Avensis muss der Fahrer nicht umständlich Knöpfchen drücken, sondern gibt dem Wagen mündlich seine Kommandos. Bisher reagiert das System namens Disp jedoch nur auf weniger sensible Dinge, wie etwa Navisystem oder Autoradio. Eigentlich ist diese Spielerei ein Stilbruch in diesem recht konservativ daherkommenden Wagen. Alles an ihm strahlt beharrliche Unauffälligkeit aus. Das Design der Karosserie, das Interieur: Irgendwie modern, irgendwie aber auch ein wenig langweilig. Macht aber nichts, denn der Avensis behauptet sich gut im umkämpften Markt der Mittelklasselimousinen. Und Toyota hat es im Automarkenimage des ADAC nun sogar unter die ersten drei geschafft. Gratulation! Viel Platz für den Kopf Mit Recht: Denn wer sich an der etwas biederen Erscheinung nicht stört, bekommt mit dem Avensis der zweiten Generation einen bequemen, geräumigen und geldwerten fahrenden Untersatz. Selbst bei großen Menschen bleibt vorn und hinten erstaunlich viel Beinfreiheit, der Kopf hat sowieso genügend Spielraum. Die Verarbeitung ist gut, die Sitze bequem, der Wagen leise. Sowohl im Stadtverkehr als auch auf langen Strecken ist das Handling tadellos. Allein in hohem Tempo, so ab 180, fühlt er sich etwas schwammig an. Bei schnellen Kurvenfahrten fällt auf, dass die elektronische Stabilitätshilfe dem Fahrwerk oft unter die Arme greift. Zu mäkeln bleibt wenig an diesem durch und durch gutmütigen Auto. Vielleicht die rund zehn Zentimeter hohe Ladekante, die’s Beladen des Kofferraums der Limousine erschwert. Ist das Gepäck schließlich drin, kann es an Ösen verzurrt werden. Leider ragen die die Radgehäuse weit in den Kofferraum hinein. Für richtig Frust jedoch sorgte die wirklich liederliche Bedienung des Navigationssystems (optional für 1.500 Euro): Mit einem kleinen Joystick, der sich nicht nur hoch/runter und links/rechts, sondern auch noch in den Diagonalen bewegen und drücken lässt, muss der Fahrer umständlich Adresse und Ort eingeben. Vertipper gab’s wegen des wackeligen Tasters am laufenden Band. Doch das System versöhnt den Fahrer wieder, weil es ihn einfühlsam auch durch den dicksten Feierabendverkehr lotst. Technisch interessant war an unserem Testwagen der Motor. Der neuaufgelegte D-Cat sei der sauberste Dieselmotor derzeit, rühmen sich die Japaner. Der Ausstoß an Stickoxiden liege um 50 Prozent unterhalb der Grenzwerte der Euro-4-Norm, bei den Rußpartikeln sollen es sogar 90 Prozent sein. Damit erfülle der Motor die strengeren Grenzwerte der kommenden Euro-5-Norm. Die Umwelt freut’s, den Fahrer beeinträchtigt es nicht. Die Fahrleistungen des 116 PS-Wagens sind tadellos, ein zügiges Fahren ist gut möglich. Und ein lustiges obendrein, dank der freundlichen Stimme der Elektronik, die auch durch die größten Schweinereien nicht aus der Ruhe zu bringen ist. »Bist du beleidigt«, fragen die kleinen Frechdachse. »FM Radio«, antwortet sie, das Radio schaltet sich ein und im Werbeblock tönt es: »Nichts ist unmöglich...« (GEA) |