Mittwoch, 08. September 2010

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29.6.2003

Mächtiger Wikinger

Spät kommen sie, dafür gewaltig. Mit dem XC90 brechen die Schweden in den Markt der SUV, der Sport Utility Vehicles, ein. Doch nicht als Nachzügler verschämt und klammheimlich, sondern stolz und selbstbewusst, ja irgendwie siegessicher. Mit dem großen, 4,80 m langen und weit über zwei Tonnen schweren Wagen haut Volvo in diesem Segment mächtig auf die Pauke. Mit einem großen, Kraft strotzenden Kühlergrill, der soliden hochgesetzten Front, den markanten, deutlich modellierten Schultern, den kokett bis zum Dach gezogenen Rückleuchten und seiner knapp 1,80 m Höhe macht er eine respektable Figur, ohne dabei aggressiv zu wirken.


Hochbeinig und kraftvoll: Der neue SUV von Volvo.
FOTO: VOLVO

Noch ist es nicht einfach, einen XC 90 auf deutschen Straßen zu finden. Was an seiner späten Markteinführung und dem Preis liegt. Unser Testwagen mit dem Volvo-Dieselmotor und in der 7-sitzigen Variante kommt mit reichhaltiger Ausstattung auf über 50.000 Euro. So mag es nicht allein an seiner imposanten Erscheinung, sondern auch an seinem Seltenheitswert liegen, dass dem Fahrer große Aufmerksamkeit zuteil wird.

Wer einmal im Innern des Wagens Platz genommen (für kleinere Insassen sind die praktischen Griffe an der A-Säule willkommene Einstiegshilfen) und die schweren Türen geschlossen hat, wird sich behaglich und sicher fühlen. Platz ist im Überfluss vorhanden, auch die Sitze sind breit und bequem. Die Armaturentafel ist in Volvo-typischer Manier leicht um den Fahrer herum gebaut und übersäht mit Schaltern und Bedien-Elementen. Doch sind diese so intuitiv angeordnet, dass zu keiner Sekunde der Überblick verloren geht.

Selbst den Einschub für die SIM-Karte des Handys fanden wir ohne im Handbuch nachzublättern. So lässt es sich bequem über die Tastatur am Armaturenbrett und im Wagen telefonieren. Überflüssig allerdings ist der in der Mittelkonsole angebrachte Telefonhörer. Ebenfalls ungewöhnlich - zumindest für den deutschen Markt - ist der neben dem CD-Wechsler eingebaute Minidisc-Player.

Im Innenraum finden sich dunkle angenehme Materialien, die mit mattem Aluminium kontrastieren. Es gibt ausreichend Staufächer, wenngleich wir eine Ablage oder Haltemöglichkeit für unsere Sonnenbrillen vermisst haben.

Ein Dreh am Zündschlüssel und der Fünf-Zylinder Dieselmotor - eine Volvoproduktion, die sich auch in anderen Modellen bewährt - springt angenehm leise und ruhig an. Die Handbremse findet sich nicht in der Mittelkonsole, sondern als Fußbremse; sie wird über ein nicht eben hochwertig anmutenden Hebel ganz links im Armaturenbrett gelöst. Die Lenkung ist präzise, in langsamer Fahrt etwas zu leichtgängig. Die Rundumsicht ist dank großer Glasfenster klasse, die Rückspiegel sind groß genug, um den rückwärtigen Verkehr schnell erfassen zu können.

Natürlich wartet der XC 90 mit vielen Ausstattungsdetails auf, die für den Preis und in dieser Klasse zu erwarten sind, etwa doppelt verglaste Fenster, automatisch abblendender Rückspiegel, Regensensor (der im Rückwärtsgang auch den hinteren Scheibenwischer anwirft), Wegbeleuchtung unter den Außenspiegeln, Klimaanlage oder Sitzheizung.

Reichlich Platz haben Passagiere auch auf der hinteren Bank. Selbst die in der Premium-Version ausklappbare dritte Sitzreihe taugt für Fahrten auf der Mittelstrecke. Der Kofferraum ist großzügig bemessen und ausgestattet mit Halte-Ösen und zusätzlicher 12-V-Steckdose. Fürs Beladen recht praktisch ist die geteilte Hecktür: Der obere Teil schwenkt so weit nach oben, dass auch großgewachsene Menscher darunter Platz finden. Der untere Teil lässt sich herunterklappen. Schön, dass er auch so stabil ist, dass dort schwere Gegenstände abgesetzt werden können. Zudem ist die Rückbank dreifach geteilt. Für den Transport langer Gegenstände lässt sich die vordere Mittelkonsole mit einem Griff abbauen.

Auf unseren Testfahrten waren wir dankbar für das Navigationssystem, dass, wie bei anderen Volvomodellen auch, mit sanftem Surren aus der Armaturentafel gleitet und damit exakt im Blickfeld des Fahrers sitzt. Nur manchmal hatte der Computer Schwierigkeiten, den kürzesten Weg zu finden.

Richtig Spaß hat das Fahren auf den engen, kurvigen und steilen Strassen entlang der Mosel gemacht. Trotz seiner Größe und des hohen Schwerpunkts behielt der Wagen immer den engen Kontakt zum Asphalt. Dank des variablen, permanenten Allradantriebs, und Sensoren für Neigung und Querbeschleunigung meistert der XC 90 auch brenzlige Situationen. Eine Überroll-Schutz-Elektronik soll verhindern, dass der Wagen bei schnellen Lastwechseln und in Grenzsituationen umkippt. Sollte doch etwas schief laufen, schützen eine verstärkte Dachkonstruktion, Front-, Seiten und Fensterairbags für alle drei Sitzreihen die Insassen. So ist es nicht verwunderlich, dass der Wagen beim neuesten Euro-NCAP-Test mit fünf von fünf Sternchen die Bestnote einheimsen konnte.

Dieser Schutz fordert seinen Tribut. Vor allem beim Beschleunigen hat der Dieselmotor mächtig zu kämpfen, das Leergewicht von über zwei Tonnen in Schwung zu bekommen. Schnell mal an der Kreuzung in eine kleine Lücke zu huschen ist mit dieser Motorisierung nicht machbar. Dazu trägt sicher auch das fünfstufige Automatikgetriebe bei (ab Herbst ist auch eine Schaltgetriebe zu haben), das nach einem Druck aufs Gaspedal erst mal eine kurze Denkpause einlegt. Dennoch fuhren wir mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 10,7 Litern, was angesichts des Gewichts und der Größe noch passabel ist.

Eine flotte Biene ist der XC 90 D5 also nicht, eher ein gestandenes Mannsbild, vergleichbar einem Wikingerkönig _ mächtig und impossant.

Reutlinger General-Anzeiger

Der Fahrbericht

Volvo prescht in die Klassse der gehobenen SUV. Der XC90 überzeugt durch beste Fahreigenschaften und ein variables Innenraumkonzept.

Volvo im Netz:

www.volovcars.de