Mittwoch, 08. September 2010

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26.4.2001

Gib Gas, ich will Spaß

Volvo präsentiert alltagstaugliche Bi-Fuel-Palette - Kofferraum bleibt erhalten

Der Zeitpunkt hätte besser nicht gewählt sein können. Die Spritpreise weisen steil nach oben, auf den Preistafeln der Tankstellen wird die "2" vor dem Komma ihren Platz wohl behalten. In diese Situation kommen die Schweden mit der frohen Botschaft, dass Tanken auch wieder Spaß machen darf. Deshalb präsentierten sie jetzt ihre beiden Spitzenmodelle S 80 und V 70 mit einem bivalenten Antrieb, bei dem der Fahrer im wahrsten Sinne des Wortes Gas geben kann: Die Motoren laufen nämlich sowohl mit Benzin, als auch mit Erdgas.

Der Clou an der Geschichte: Die Gastanks sind unterflur eingebaut. So bleibt der Gepäckraum beim 80er und der Laderaum des Kombis erhalten. Damit, teilen die Schweden stolz mit, bietet Volvo als einziger Hersteller in dieser Klasse eine solche Alternative "vom Band" an. Damit die drei insgesamt 100 Liter fassenden Gastanks Platz haben, schrumpft der Benzintank auf magere 30 Liter Volumen. Außerdem wird auf das Reserverad verzichtet. Dennoch ist der bivalente Antrieb, Volvo nennt diese Modelle Bi-Fuel, kein nachträglicher Umbau. Bereits bei der Planung der Plattform für die großen Volvos hatten die Konstrukteure an diese Antriebsvariante gedacht, erzählt Jörg Lober, Umweltschutz-Koordinator von Volvo Deutschland.

Denn Volvo hat sich die Entwicklung alternativer Antriebskonzepte schon vor Jahren auf die Fahnen geschrieben. Erdgas ist für die Ingenieure die am schnellsten zu verwirklichende Alternative. Projektleiter Peter Boisen zählt die Vorteile des Gasantriebs auf: Er sei ressourcenschonender, sei für den Fahrer günstiger im Verbrauch und im Unterhalt sowie bedeutend besser für die Umwelt. Denn Erdgas, das zu über 90 Prozent aus Methan besteht, erzeugt bei der Verbrennung weniger Kohlenwasserstoffe und vor allem runde 20 Prozent weniger des Treibhausgases Kohlendioxid. Vorteil für die Käufer: Auf Erdgas schlägt Vater Staat nur 30 Pfennig Mineralölsteuer drauf, was bis Ende 2009 auch so bleiben wird. Deshalb tankt der Bi-Fuel-Fahrer auch mehr als günstig. Im Schnitt kostet das Kilo Erdgas 1,30 Mark. peter Boisen spricht von Kosteneinsparungen von runden 50 Prozent gegenüber einem Benziner.

Und er macht sich beim Tanken die Finger nicht mehr schmutzig. Neben dem normalen Einfüllstutzen fürs Benzin sitzt ein Ventil, an das die spezielle Gas-Zapfpistole angeschlossen wird. In anderen Ländern winkt für Erdgasfahrer zusätzlicher Komfort: Im schwedischen Göteborg etwa dürfen die Bi-Fuel-Wagen umsonst parken.

Diesen Vorteilen steht jedoch ein höherer Anschaffungspreis gegenüber: 5000 Mark mehr kosten die bivalenten Fahrzeuge, ausstattungsbereinigt sind es immer noch zwischen 2500 und 2900 Mark. Allerdings kann sich ein cleverer Autokäufer zumindest einen Teil dieser Differenz wieder zurückerstatten lassen. Und zwar vom örtlichen Gasversorgungsunternehmen. In Reutlingen funktioniert das allerdings nicht mehr. Derzeit gibt es keinen Zuschuss. Doch laut Helmut Lorenz, bei der FairEnergie zuständig für Erdgasfahrzeuge, sei die Diskussion innerhalb der Stadtwerke noch nicht abgeschlossen. Dennoch: Bei Vielfahrer amortisiert sich der höhere Anschaffungspreis.

Ein weiterer Nachteil für den Erdgasfahrer ist das löchrige Tankstellennetz. Gerade mal 180 Zapfsäulen gibt's in der Bundesrepublik. Weite Teile sind ganz schlecht versorgt, Reutlingen indes besitzt sogar zwei von der FairEnergie betriebene Zapfstellen, die rund um die Uhr geöffnet sind.

Äußerlich lassen sich die neuen Volvos, abgesehen von einem dezenten Schriftzug nicht von ihren konventionellen Geschwistern unterscheiden. Auch beim Blick unter die Motorhaube fallen keine gravierenden Änderungen ins Auge. Lediglich eine kleine Kapsel, der Druckminderer, sowie die zusätzlich verlegten Leitungen in die Zylinder verraten die besondere Eigenschaft. Technisch wurde dennoch viel verändert, etwa an der Motorelektronik, am Ventilsitz und an der Nockenwelle. Zusätzlich eingebaut wurden auch Steuer- und Diagnosegeräte.

Doch darum muss sich der Fahrer nicht kümmern. Nach dem Anlassen läuft der Motor, - verwendet werden die normalen 5-Zylinder-Aggregate mit 140 PS - mit Benzin. Sobald das Kühlwasser 15 Grad warm ist, schaltet die Elektronik automatisch auf Gasbetrieb um. Wenn die Gastanks leer gefahren sind, wird ebenso selbsttätig wieder auf Benzin zurückgeschaltet. Zusätzlich kann der Fahrer jederzeit über einen kleinen Knopf am Armaturenbrett zwischen Gas- und Benzinbetrieb wechseln. Bei den Testfahrten funktionierte das auch unter Volllast völlig reibungslos ohne Ruckeln oder ein Verschlucken des Motors.

Die Produktion der Autos wird Anfang Mai beginnen, in die Showrooms kommen sie im Herbst. zu bestellen sind sie freilich jetzt schon. Anfang nächsten Jahres folgt der S60 mit bivalentem Antrieb. Auch die kleine Plattform soll als Bi-Fuel-Fahrzeuge erhältlich sein.

Reutlinger General-Anzeiger

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Dr. Thomas Goerlich fährt ein Erdgasauto. Aus Überzeugung und trotz widriger Umstände. Denn der Arzt wohnt auf der Alb, wo es weit und breit keine Erdgastankstelle gibt.

Weitere Infos

gibt's unter www.gibgas.de und www.das erdgasfahrzeug.de.