Montag, 06. September 2010

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15.11.2003

Rasanter kleiner Wikinger

MALAGA. Da steht der Neue und scheint seinen großen Brüdern wie aus dem Gesicht geschnitten: Stolz präsentiert Volvo den neuen S 40, der mit Beginn des kommenden Jahres im belgischen Gent gebaut wird.

Den Designern ist das Kunststück gelungen, die Linienführung, die den beiden großen Limousinen angepasst ist, auf die Ausmaße eines Kompakten zu schrumpfen; ohne ihn plump wirken zu lassen. So birgt der Kleine die genau richtige Mischung aus kraftvoll-bulligem Auftritt und sportlicher Eleganz.

Cab-Forward-Design

Er ist auf den ersten Blick als typischer Volvo zu erkennen mit seinem Cab-Forward-Design, der V-förmigen Motorhaube, mit der an einen Schiffsbug erinnernden, deutlich abgesetzten Kühlerpartie und den großen Rücklichtern. Der maskuline Charakter wird durch die breiten, deutlich modellierten Schultern erzeugt, die augenscheinlich locker die auf sie gelegte Last tragen können: Soll der neue S 40 doch an den Erfolg des Vor-Vorgängers 460 anknüpfen und die kompakte Limousine endlich aus ihrem Mauerblümchendasein hieven.

Kombi kommt später

Zum Vergleich: In der aktuellen 40er-Reihe kommen (in Deutschland) auf eine Limousine rund vier Kombis. Dieses Verhältnis soll der Neue ausgleichen. Auch deshalb läuft zuerst die Produktion des S 40 an, der Kombi (V 50 genannt), wird im kommenden Frühjahr präsentiert.

Trotz der großen Design-Nähe zum 60er und 80er trete der S 40 mit einem eigenständigen Charakter auf, glaubt die Marketingchefin von Volvo Deutschland. Als Zielgruppe beschreibt sie trendorientierte, aufstrebende Singles und junge Paare, die mit der neuen Einstiegslimousine frühzeitig an den Konzern gebunden werden sollen.

Das fließende, dynamische Äußere des S 40 setzt sich im Innenraum fort, der sich um ein zentrales Prachtstück gruppiert: Die scheinbar frei schwebende Mittelkonsole, auf der die Bedienelemente wie auf einer Fernbedienung übersichtlich angeordnet sind. Sie kommt besonders in der Aluminiumausführung schön zur Geltung. Das Armaturenbrett ist schlicht und klar gegliedert, so dass der Fahrer sich schnell zurechtfindet.

Breiter, höher, kürzer

Der Wagen bietet viel Platz. Und dies, obwohl er fast fünf Zentimeter kürzer als der aktuelle S 40 ist ­ dafür jedoch etwas breiter und höher. Dem Komfort kommt der längere Radstand sowie vorn quer eingebaute und in ihren Abmessungen kompaktere Motoren zugute. Schade jedoch, dass für große Fahrer die Außenspiegel nicht weit genug gedreht werden können, der Innenspiegel extrem niedrig hängt und in Rechtskurven die freie Sicht stört, sowie auf den hinteren Plätzen zu wenig Kopffreiheit bleibt.

Der neue S 40 überzeugt durch ein extrem gutmütiges Fahrverhalten. Die breite Spur und die passiv mitlenkende hintere Radaufhängung wirken einem Ausbrechen des Hecks entgegen, selbst bei rasanter, enger Kurvenfahrt liegt der Wagen wie angeklebt auf der Straße. Wie viel Vertrauen die Ingenieure ins Fahrwerk stecken, wird durch das sehr spät erst einsetzende elektronische Stabilitätssystem DSTC deutlich.

Volvo S 40Volvo wäre nicht Volvo, wenn kein besonderer Wert auf die Sicherheit gelegt würde. Der Kleine, verkünden die schwedischen Ingenieure stolz, sei ebenso sicher wie die großen Volvos. Die Karosserie ist aus vier unterschiedlich festen Stahlsorten gebaut. Der S 40 verfügt über die gleichen Sicherheitssysteme wie die Großen, etwa das Schleudertrauma­Schutzsystem und die mehrfachen Seiten-Airbags.

Neu ist Idis, ein System, das in kritischen Fahrsituationen, bei denen der Fahrer seine volle Aufmerksamkeit benötigt, weniger wichtige Informationen und eingehende Telefonanrufe zunächst einmal unterdrückt. Dazu wertet das System 16 Messpunkte (unter anderem Beschleunigung und Lenkradstellung) aus.

Start mit vier Motoren

Zum Produktionsstart werden zwei Fünf-Zylinder- Saugmotoren mit 140 und 170 PS, der T5-Turbo mit 220 PS sowie ein 4-Zylinder Diesel mit 136 PS zu haben sein. Die Benziner entsprechen Euro 4, der Dieselmotor lediglich Euro 3. Erst im Sommer wird ein aufpreispflichtiger Partikelfilter erhältlich sein, mit dem der Motor dann Euro 4 schafft.

Volvo S 40Später werden weitere Aggregate folgen, unter anderem ein 1,6-Liter Benziner mit 100 PS als Einstiegsmotor. Dieser wird im Basismodell drin sein, das für voraussichtlich 20 500 Euro zu haben sein wird. Alle anderen Preise sollen Mitte Dezember erst fest stehen.

Reutlinger General-Anzeiger

Der Fahrbericht

Auf die Präsentation der neuen kleinen Volvo-Baureihe folgen die ersten Probefahrten.