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19.6.2002 Koreanische WuchtbrummeStau auf der A6 um Nürnberg herum. Freitag Abend, Feierabendverkehr. Stop-and-go auf drei Spuren, Drängler von rechts und von links. Die Minuten vergehen, nichts geht mehr. Nervosität, Spannung, Ärger. Jetzt nur die Nerven behalten. Sich entspannen, zurücklehnen. Eine Jazz-CD einschieben, den Becher mit heißem Kaffee nachfüllen, vielleicht einen kleinen Happen essen. Es sich gemütlich machen in seinem Auto. Klingt nach einem furchtbar abgedroschenen Klischee, gewiss. Dennoch bringen Vans genau diese Wohnzimmeratmosphäre auf die Straße. Sie sind Familienkutschen im besten Sinn. Am deutlichsten repräsentiert vielleicht der Carnival von Kia dieses Image. Mit seiner hohen Sitzposition in weichen bequemen Sesseln, mit massig Staufächern und rundherum viel Platz verführt er zum sanften Dahingleiten. Doch zugegeben: Eine agile und sportliche Fahrweise wäre auch gar nicht möglich. Schuld daran ist der recht träge Motor und das insgesamt etwas behäbige Feeling der koreanischen Wuchtbrumme. Dieses ein wenig an einen Laster erinnernde Fahrgefühl wird durchs Design noch unterstrichen. Der Koreaner präsentiert sich nicht stromlinienförmig elegant wie andere seiner Klasse, sondern wuchtig und bullig. Mit hoch angesetzten Stoßfängern, großen Außenspiegeln und einer kräftig modellierten Motorhaube, auf der eine separate Lufteingangsöffnung thront. Auch der Innenraum ist nicht ziseliert und fein. Dafür zeigt sich das Armaturenbrett wohltuend aufgeräumt, jeder Schalter und jedes Lämpchen ist an seinem Platz. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Testfahrten mit unserem Carnival EX haben großen Spaß gemacht. Der 2,9 Liter Turbodieselmotor entwickelt schon im niedrigen Drehzahlbereich Bärenkräfte und verleitet so zum schaltfaulen Fahren. Leider geht dem Zwei-Tonnen-Schiff nach oben hinaus die Puste aus. Mit 168 km/h Höchstgeschwindigkeit ist er angegeben, gut 180 schafft er laut Tacho _ zumindest den Berg runter und mit genügend Anlauf. Dennoch bleibt er auch bei diesem Tempo ruhig und sicher auf der Straße. So ruhig, wie ein Van eben sein kann. Denn die Straßenlage ist bei den Großen durchweg nicht mit einem guten PKW zu vergleichen. In so manche Parklücke passt der fast fünf Meter lange und 1,90 breite Wagen auf Anhieb nicht hinein, der Wendekreis ist mit seinen 12,8 Metern einfach zu groß. Doch einem Smart muss er ja auch keine Konkurrenz machen. Schließlich ist der Carnival ein Reisewagen. Für diese Aufgabe, ob allein oder mit der Familie, ist er jedoch bestens gerüstet. Toll die vielen Ablagemöglichkeiten: Mehrere in den Türen, in der Mittelkonsole, unterm Beifahrersitz, am Dachhimmel, auf dem Armaturenbrett. Ausklappbare Getränkehalter oder ein separates Fach für CDs runden das Angebot an Stauraum ab. Unverständlich jedoch, dass eine Sprudel- oder Colaflache nirgends richtigen Halt finden und dass auch nicht an eine Müllbox für die Schokoriegel-Papierchen gedacht ist. Sinnvoll dagegen ist der Einbau des Schalthebels ins Armaturenbrett. So lässt es sich zwischen den Vordersitzen bequem durchsteigen. Noch ein praktisches Detail unseres Carnivals: Zwischen den Vordersitzen lässt sich ein kleines Tischchen mit Ablagefläche und zusätzlichen Getränkehaltern hochklappen. Für seine Familientauglichkeit spricht auch die Sicherheit: Noch liegt kein deutscher Crashtest vor, doch beim us-amerikanischen NCAP-Test bekam der Carnival fünf von fünf Sternen. Die Ingenieure scheinen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Umso unverständlicher, dass selbst gegen Aufpreis keine Seitenairbags zu haben sind. Bereits in der rund 22800 Euro teuren Grundausstattung, LX genannt, bietet der Wagen alles notwendige, wie eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, zwei Airbags vorn oder Isofix-Punkte. Für 1000 Euro mehr kommen Holzapplikationen im Armaturenbrett, Nebelscheinwerfer, elektrisch ausstellbare hintere Seitenfenster oder ein Regensensor dazu. Gut angelegt sind jedoch 650 Euro für ein elektrisches Glas-Schiebedach. Damit bietet der Carnival HPDi ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis _ trotz der etwas höheren Unterhaltskosten von knapp 400 Euro Steuern und einem Verbrauch von über acht Liter Diesel im Mix _ auf unseren Fahrten waren es sogar gut über neun Liter. Sehr kurz sind auch die Inspektionsintervalle. So sollen alle 10000 Kilometer beispielsweise die über sieben Liter Motorenöl ausgewechselt werden. Dennoch hat Kia mit dem neuen Carnival einen ernstzunehmenden Konkurrenten für die arrivierte Riege der Vans auf die Straße gebracht. Und eine dem Klischee entsprechende "Gemütliche" obendrein. |
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