„Wann hatten Sie das letzte Mal das Funkeln in den Augen, als Sie gearbeitet haben? Wann waren Sie das letzte Mal in Ihrem Element? Oder anders herum gefragt: Wann haben Sie es verlernt?“
Anja Förster & Peter Kreuz

Burnout:
Wenn die Lebensfreude aufgebraucht ist

Wer für etwas brennt ist voller Begeisterung und schöpft aus nahezu unendlichen Energiequellen. Sein Tun verleiht ihm Sinn und neue Energie. Man könnte diesen Zustand als Burn-in bezeichnen: Das innere Feuer lodert fast aus sich selbst heraus.

Leider machen viele Menschen auch die gegensätzliche Erfahrung. Bei ihnen erlöscht das innere Feuer der Leidenschaft. Sie können noch so viel Nachlegen: die Flamme wärmt nicht mehr. Diese Menschen fühlen sich häufig kraft- und mutlos, sie sind deprimiert und schleppen sich durch zähe, endlose Tage. Ihre Arbeit, ja ihr ganzes Leben kommt ihnen immer sinnloser vor. Kein Wunder, müssen sie doch viel Kraft aufwenden, um gegen die innere Tristesse anzukämpfen. Irgendwann sind die Energiereserven verbraucht und der Körper zieht die Notbremse.

Dabei sind sie einst mit Elan ins Berufsleben gestartet, sie waren euphorisch, haben zugepackt. Häufig sind es leistungsbereite, pflichtbewusste Menschen, die in der Gefahr stehen, auszubrennen. Manche bekommen einen Burnout, weil sie zu wenig selbst entscheiden können. Oder weil sie zu viel Arbeit oder Anforderungen tragen müssen, sie also schlecht Nein sagen können. Vielleicht auch, weil sie in einem Job sind, an dem ihr Herz gar nicht (mehr) hängt.

Die Gründe für einen Burnout sind vielfältig und sind beileibe nicht nur bei der Arbeit zu suchen. Viele stecken auch in einem Leben fest, das ihnen nicht mehr gemäß ist – weil sie häufig Entscheidungen getroffen haben, zu denen andere ihnen geraten haben oder weil sie nach einem fremden Wertekonzept leben. Vielleicht auch, weil die Angst vor Veränderung zu groß ist. Ihnen gemein ist, dass sie keinen Alternative sehen.

Es gibt Alternativen. Denn wir entscheiden immer

Dabei gibt es immer eine Alternative. An jedem Tag entscheiden wir uns aktiv: Für Veränderung oder für Verharren. An jedem Tag entscheiden wir uns, in einem ungeliebten Job oder bei einem ungeliebten Partner zu bleiben. An jedem Tag hätten wir auch die Möglichkeit, zu gehen. Gewiss, der Schritt zu gehen kostet: Mut, Kraft, Ausdauer, Geld. Doch auch die Entscheidung zu bleiben kostet: Lebenszeit, Lebensfreude, Gesundheit. Beides – zu gehen oder zu bleiben – ist an sich weder gut noch schlecht. Wichtig ist nur, um diese Entscheidung – und damit um die Wahlfreiheit – zu wissen.

Mit diesem Wissen kommen wir aus der Ecke des „Erleidens“ raus und nehmen unser Leben wieder in die eigene Hand. Wir werden wieder zu Gestaltern unseres Lebens. Achtsamkeit mit sich und seiner Situation hilft dabei: Woran leide ich wirklich? Was will ich im tiefsten Herzen? Wann werde ich hart zu mir und sage: „Hab dich nicht so, das muss doch gehen…“? Mit meiner Unterstützung erleben Sie wirklich, in welch scheinbar auswegloser Situation Sie stecken – und welche Auswege es tatsächlich gibt. Gemeinsam finden wir Möglichkeiten, Ihr inneres Feuer wieder zum Lodern zu bringen. Zu erkennen, für was Sie brennen.

Was auch helfen kann, ist der Blick an den Anfang: Was hat mich früher, als Kind begeistert? Wie sahen meine Träume aus? Wie habe ich mir das Leben vorgestellt? Weshalb habe ich genau diesen oder jenen Beruf ergriffen? Was hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin? Ein solcher Rückblick kann Klärung bringen darüber, wo ich eigentlich hingehöre. Welche Herzenswünsche ich einstmals hatte und wie weit entfernt ich heute davon bin

Was macht Sinn?

Burnout entsteht nicht durch zu viel Arbeit, sondern durch eine Sinnentleerung der Arbeit. Diese These jedenfalls stellte Wilhelm Schmid bei den Lindauer Psychotherapietagen auf. Wilhelm Schmid ist einer meiner liebsten Philosophen, der sehr viel über die Lebenskunst und die Liebe arbeitet.

Er verweist dabei auf andere Länder, beispielsweise Georgien, in denen viele Menschen an sieben Tagen in der Woche für ein minimales Gehalt arbeiten, und dennoch nicht von Burnout bedroht sind. Weil sie in ihrer Arbeit einen Sinn sehen. Weil sie jeden Tag spüren, das ihre Arbeit wichtig für andere Menschen ist, dass sie die positiven Auswirkungen ihrer Arbeit erleben. Dass sie eben nicht nur einen Job machen, sondern einen Beruf haben und damit einer Berufung folgen.

Tun sie das, bekommt ihre Arbeit Sinn. Denn Sinn ist immer dort vorhanden, wo es Zusammenhänge gibt, wo Einzelnes in einem größeren Ganzen eingebettet ist. Ist etwas zusammenhanglos, sagen wir schnell: „Es ist sinnlos.“ So gesehen sollten wir uns Fragen stellen wie: Was hat die Arbeit mit meinem Leben zu tun? Welchen Zusammenhang sehe ich zwischen meiner Arbeit und meinem Leben? Und welchen Sinn hat mein Leben; in welchen größeren Zusammenhang möchte ich es stellen?

Man muss dieser These nicht unbedingt folgen, als Idee jedoch und Ausgangspunkt für weitere Überlegungen erscheint sie mir hilfreich. Eines wird dabei klar: Bloßes Geldverdienen ergibt auf Dauer wenig Sinn.

Die Crux mit der Work-life-Balance

Häufig wird auch eine unausgewogene Work-life-Balance als Grund für einen Burnout angeführt. Zu viel Arbeit, zu wenig Privatleben. Dem müsste ja mit Methoden des Zeitmanagements gut zu begegnen sein. Die Antwort lautet: Das allein reicht nicht aus. Als Trainer für Zeitmanagement und Produktives Arbeiten machte ich häufig die Erfahrung, dass solche Methoden allein zwar hilfreich und als Handwerkszeug nötig sind, sie aber lange nicht ausreichen, um ein zufriedeneres Leben zu führen; vielen stehen alte Glaubenssätze und Einschärfungen im Weg, die erst im explorativen therapeutischen Gespräch erkennbar werden.

Und treten wir noch einen Schritt weiter zurück und fragen uns: Was bedeutet Work-life-Balance eigentlich genau? Dabei wird schon vom Wort her eine Trennung zwischen Arbeit und Leben gezogen: Als ob die Arbeit nicht zum Leben dazu gehört? Und selbst die Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit ist eine künstliche, die kaum älter als 200 Jahre ist. Vor der Industrialisierung  gab es diese Trennung nicht, da war die Arbeit, der Beruf, ganz selbstverständlich ins gesamte Leben eingebettet. Erst die Aufspaltung  zwischen Arbeit und dem Rest sorgt für einen Spalt in unserem Selbst, in dem sich, siehe weiter oben, Sinnlosigkeit einbetten kann.

Die Medizinische Diagnose

Burnout gilt nicht als Krankheit im Sinne des ICD-10. Grund dafür ist die unklare Umschreibung der Symptome. Häufig wird Burnout auch als Erschöpfungsdepression (F 48.0) klassifiziert. In medizinischen Lexika wird Burnout als emotionale Erschöpfung mit dem Gefühl von Überforderung und reduzierter Leistungszufriedenheit beschrieben – Folge einer Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität, zwischen idealistischer Begeisterung und Desillusionierung. Lesen Sie mehr zur medizinischen Diagnose.